Michael Goldmann -



14.03.2008

Ampelkennzeichnung macht nur Verzehrschaos

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Gesundes Essen ist in aller Munde. So sollte es jedenfalls auch zu Ostern wieder sein. Leider nimmt aber die Zahl der Übergewichtigen zu. Grund dafür ist aber nicht, dass wir etwa mehr essen oder uns schlechter ernähren als früher. Der Grund dafür ist, dass wir uns immer weniger bewegen. Ein Sportwissenschaftler brachte dies präzise auf den Punkt: wir sitzen uns schlicht zu Tode. Wenn wir über Übergewicht streiten, dann beherrscht ein Thema sofort die Runde: Ampelkennzeichnung für Lebensmittel - ja oder nein? Und was bedeutet das für mein Ernährungsverhalten? Mal angenommen wir bekommen morgen die Ampel, dann bekommt jedes Produkt einen oder mehrere Signalpunkte. Äpfel und Birnen bekommen einen grünen Punkt, 3,5 Prozent fetthaltiges Trinkjoghurt dagegen einen roten, weil der eben zu fett ist und auch noch Zucker enthält. Schokolade wäre dann sowieso rot.

Verzehrschaos

In Großbritannien wurde die Ampelkennzeichnung ausprobiert – bei verschiedenen Herstellern und Lebensmittelketten. Tesco hat die Ampel im April 2004 getestet. Eines der Ergebnisse dort war, dass die Verbraucher die Farbe rot gleich einem Verbot setzten. Tesco hat nach der Probephase die Ampelkennzeichnung nicht fortgeführt. Auch weil sich bei manchen Produkten ein für Verbraucher schwer verständlicher Irrsinn ergab, und zwar in den Fällen, in denen ein grüner, gelber und ein roter Punkt drauf ist. Beispielsweise bei Knabberprodukten. Fett bekommt da vielfach rot, was auch jeder weiß, der eine Tüte Chips isst. Zucker hingegen ist da aber nicht drin: dafür gibt's einen grünen Punkt. Und für Salz einen gelben Punkt. Das ist dann das, was die Ampel-Befürworter eine klare und verbrauchernahe Kennzeichnung nennen, weil die Bedeutung und Signalwirkung einer Ampel ja aus dem Straßenverkehr hinlänglich bekannt ist. Allerdings ist mir noch keinem Land der Erde eine Ampel begegnet, die gleichzeitig grün, gelb und rot angezeigt hat. Bei der Ernährung und ähnlich im Straßenverkehr führt aber genau das zum Chaos - genauer zum Verzehrschaos.

Objektive Informationen sind gefragt

Nein, was wir brauchen, sind objektive Informationen. Der mündige Verbraucher sucht Informationen, er bekommt diese und er entscheidet sich dann, was zu ihm passt und was er essen möchte. Die Grünen hingegen setzen auf den Paternalismus - der Staat wird schon alles richten, von der Wiege bis zur Bahre, vom rot gepunkteten Schokoriegel bis zum rot gepunkteten Olivenöl. Nachdenken ist dann unnötig und Ernährungswissen ebenso. Ich dagegen setze auf eine Politik, die die Menschen ermuntert. Ermuntert von ihrer Freiheit zur Entscheidung Gebrauch zu machen. Ich will keine Politik, die den Verbrauchern jedes Risiko absichert und jede Entscheidung abnimmt. Als Bürgerrechts- und Verbraucherschutzpartei setzt die FDP im Bundestag daher neben gesetzlichen Initiativen auf Anreizsysteme, Eigeninitiative, Eigenverantwortlichkeit. Das gilt ganz besonders für den Bereich Ernährung, der nicht zuletzt durch die nationale Verzehrsstudie im Mittelpunkt vieler Diskussionen steht. Wir Liberale sind gegen eine politische Steuerung des Konsums und gegen eine staatliche Bevormundung der Verbraucher. Wir möchten keine "Ernährungsdiktatur"!

Nährwert-Umfrage ist Steuerverschwendung

Bei der Nährwertkennzeichnung legt Bundesverbraucher-minister Seehofer leider jüngst eine rasante Kehrtwende hin. Von der im Oktober 2007 angekündigten freiwilligen Nährwertkennzeichnung schwenkt er nun deutlich zur bevormundenden Ampel um. Nicht anders ist die am 14. März 2008 startende Umfrage des Bundesverbraucherministeriums zur Nährwertkennzeichnung zu verstehen. Die offene Frage ist: warum hat Seehofer diese Befragung nicht schon vor der Bekanntgabe seiner Pläne im Oktober 2007 gemacht? Deshalb muss er sich nun den Vorwurf der Steuerverschwendung gefallen lassen. Daher habe ich daher am Mittwoch, den 12. März 2008, die Bundesregierung nach den Kosten für diese Umfrage des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefragt. „Künastisierung“Es wird immer deutlicher, dass mit Minister Seehofer die „Künastisierung“ der Agrar- und Verbraucherpolitik von CDU und CSU stetig fortschreitet. Mit einer „Verbotspolitik“ jedoch sind weder Übergewicht zu bekämpfen noch ein besserer Verbraucherschutz durchzusetzen. Im Gegensatz zu dieser bevormundende n Konsumlenkung durch den Staat à la Künast oder Seehofer steht die FDP für Eigenverantwortung und eine freiwillige Kennzeichnung.


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