20.01.2012
Auch mich beschäftigt dieses Thema. Ich habe mir viele Fragen gestellt:
Warum sind Antibiotika in der Nutztierhaltung überhaupt wichtig?
Welche Probleme treten auf?
Warum sind zu viele Antibiotika in der Nutztierhaltung schädlich für den Menschen?
Welche Maßnahmen und Lösungen stehen zur Verfügung?
Meine Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.
Warum sind Antibiotika in der Nutztierhaltung überhaupt wichtig?
• Der Antibiotika-Einsatz ist wichtig, um die Tiergesundheit zu sichern, dabei werden etwa 50% der Medikamente auch an Heimtiere abgegeben.
• Die verbesserte Fitness der Nutztiere schützt auch vor wirtschaftlichen Schäden im Nutztierbereich und vor der Verbreitung von Krankheiten.
• Arzneimittel sind unbedingt notwendig. Erst kürzlich kam die Meldung, dass durch eine flächendeckende Impfung die Blauzungenkrankheit in 2010 so weit reduziert werden konnte, dass kein Fall gemeldet wurde.
• Ferner unterstützt der Antibiotika-Einsatz die Zoonosenbekämpfung z. B. bei Salmonellen. Aber auch als Impfstoff sind Medikamente notwendig.
• Zwei Keime, die Multiresistenzen gegenüber Antibiotikum ausbilden, sind MRSA (staphylococcus aureus) und ESBL (Enzym). MRSA ist bei Kühen vor allem für die Eutererkrankung Mastitis verantwortlich.
Welche Probleme treten auf?
• Grundsätzlich ist die Ausbildung von Resistenzen nicht mit der Bestandsgröße bzw. der Haltungsform in Zusammenhang zu bringen, sondern vielmehr mit den Hygieneanforderungen und dem Haltungssystem (Zukauf von außerhalb, Besatzdichte, Stallklima etc.)
• In Haltungssystemen mit sehr hoher Besatzdichte verbreiten sich Krankheiten rascher
• Verbesserte Hygienemaßnahmen helfen dabei aber auch nur bis zu einem gewissen Grad, da MRSA-Keime natürlicherweise vorkommen und nicht vollständig zu entfernen sind.
• Leider muss man auch das Zugeständnis machen, das ein hoher Preisdruck auf den Erzeugern lastet und bei Krankheiten im Stall der wirtschaftliche Schaden enorm hoch ist, so dass vermutlich der ein oder andere Landwirt flächendeckend Antibiotika vergibt, um das Mastendgewicht nicht zu gefährden
Warum sind zu viele Antibiotika in der Nutztierhaltung schädlich für den Menschen?
• Bei übermäßiger Antibiotika-Beigabe können die MRSA-Erreger Resistenzen gegen Antibiotika ausbilden. Diese resistenten Keime können an den Verbraucher übertragen werden.
• Um aber wirklich in einer lebensbedrohlichen Situation zu sein, reicht es nicht aus, den Erreger in sich zu tragen. Hier spielen Faktoren, wie Immunsystem und Erregerstärke eine wesentliche Rolle. Nicht jeder MRSA-Keim führt demnach zwangsläufig zu einer Entzündung oder Krankheit.
• Gleiche Gefahr besteht in anderen Lebensbereichen, wie z. B. im Krankenhaus in noch stärkerer Weise
Welche Maßnahmen und Lösungen stehen zur Verfügung?
• Zunächst gilt es, die Verbreitung von Krankheiten zu reduzieren. Dabei können Zuchtmaßnahmen und Haltungsbedingungen einen großen Beitrag leisten.
• Ist die Krankheit ausgebrochen, gilt es, Alternativen der Behandlung zu prüfen (Isolation, Homöopathie).
• Sollten nur Antibiotika helfen, ist darüber nachzudenken, ob das Medikament innerhalb eines bestimmten Wirkungsradius, dann auch präventiv vergeben wird, nach dem Prinzip „Impfen statt Keulen“
• Die Vorgabe von Höchst- oder Grenzwerten halte ich für nicht zielführend. Antibiotikum ist ein Therapeutikum und es gibt genau Vorschriften, wie diese Medizin zu dosieren ist. Ist ein Tier krank, muss es diese Dosis bekommen. Grenzwerte lassen auch Spielraum für eine Präventiv-Therapie.
• Die Sammlung von Daten ist sicherlich gut, um einen Überblick über die Menge und den Einsatzgrund zu erfahren, das erhöht auch die Transparenz. Bisher liegen jedoch einige Daten vor, die ausgewertet werden müssen. Jeder Erzeuger muss bei Absatz der Tiere einen Anwendungs- und Abgabebeleg sowie das Stallbuch mitliefern. Hier finden sich alle relevanten Daten.
• Das Maßnahmenpaket von Frau Ministerin Aigner zeigt die richtigen Ansätze auf. Die Tierärzte sollten dabei aber nicht unter Generalverdacht gestellt werden.
• Die Unterscheidung nach Antibiotika für die Tier- und Humanmedizin ist vom Grundsatz her eine gute Idee und sollte Forschungsauftrag sein. Bisher sind jedoch Flurochinolone und Cephalosporine die wirksamsten Antibiotika, sowohl im human- wie auch im tiermedizinischen Bereich. Würde man ältere Antibiotika an Tiere abgeben, würde sich die Menge erhöhen um die gleiche Wirkung zu erzielen.
Fazit
• Antibiotika ist einer der bedeutsamsten Entwicklungen der Medizingeschichte, die für die Menschheit von hoher Bedeutung ist.
• Alleine aus diesem Grund ist die Bildung von Resistenzen eine ernstzunehmende Problematik.
• Differenziert sollte man meines Erachtens die kürzlich veröffentlichen Studien betrachten. Die Ergebnisse des BUND´s fallen dabei für mich heraus, weil die Methodik kein repräsentatives Ergebnis liefern kann.
• Besorgniserregend ist die Studie aus NRW deshalb, weil sie ein System offenbart, welches seine Schwachstellen hat. Es kann nicht sein, dass 96% der Broiler präventiv, ich vermute über das Trinkwasser oder Futter behandelt werden, um möglicherweise einen wirtschaftlichen Schaden abzuwenden oder die Ansteckungsgefahr zu verringern.
• Die Bedrohung für den Verbraucher ist meiner Meinung nach jedoch einmal mehr Panikmache. Nicht jeder wird an einer Sepsis erkranken.
• Und trotzdem sollten wir die vernünftigen Lösungen aufgreifen und das System verbessern zum Schutz der Tiere und zum Schutz der Menschen.
Antibiotika in der Nutztierhaltung
Antibiotika-Einsatz in der landwirtschaftlichen Tierhaltung macht seit einigen Wochen die Schlagzeile. Bundesministerin Aigner legt Vorschläge zur Verminderung der Abgabemengen von Antibiotika vor. Verbraucherinnen und Verbraucher sind verunsichert.Auch mich beschäftigt dieses Thema. Ich habe mir viele Fragen gestellt:
Warum sind Antibiotika in der Nutztierhaltung überhaupt wichtig?
Welche Probleme treten auf?
Warum sind zu viele Antibiotika in der Nutztierhaltung schädlich für den Menschen?
Welche Maßnahmen und Lösungen stehen zur Verfügung?
Meine Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.
Warum sind Antibiotika in der Nutztierhaltung überhaupt wichtig?
• Der Antibiotika-Einsatz ist wichtig, um die Tiergesundheit zu sichern, dabei werden etwa 50% der Medikamente auch an Heimtiere abgegeben.
• Die verbesserte Fitness der Nutztiere schützt auch vor wirtschaftlichen Schäden im Nutztierbereich und vor der Verbreitung von Krankheiten.
• Arzneimittel sind unbedingt notwendig. Erst kürzlich kam die Meldung, dass durch eine flächendeckende Impfung die Blauzungenkrankheit in 2010 so weit reduziert werden konnte, dass kein Fall gemeldet wurde.
• Ferner unterstützt der Antibiotika-Einsatz die Zoonosenbekämpfung z. B. bei Salmonellen. Aber auch als Impfstoff sind Medikamente notwendig.
• Zwei Keime, die Multiresistenzen gegenüber Antibiotikum ausbilden, sind MRSA (staphylococcus aureus) und ESBL (Enzym). MRSA ist bei Kühen vor allem für die Eutererkrankung Mastitis verantwortlich.
Welche Probleme treten auf?
• Grundsätzlich ist die Ausbildung von Resistenzen nicht mit der Bestandsgröße bzw. der Haltungsform in Zusammenhang zu bringen, sondern vielmehr mit den Hygieneanforderungen und dem Haltungssystem (Zukauf von außerhalb, Besatzdichte, Stallklima etc.)
• In Haltungssystemen mit sehr hoher Besatzdichte verbreiten sich Krankheiten rascher
• Verbesserte Hygienemaßnahmen helfen dabei aber auch nur bis zu einem gewissen Grad, da MRSA-Keime natürlicherweise vorkommen und nicht vollständig zu entfernen sind.
• Leider muss man auch das Zugeständnis machen, das ein hoher Preisdruck auf den Erzeugern lastet und bei Krankheiten im Stall der wirtschaftliche Schaden enorm hoch ist, so dass vermutlich der ein oder andere Landwirt flächendeckend Antibiotika vergibt, um das Mastendgewicht nicht zu gefährden
Warum sind zu viele Antibiotika in der Nutztierhaltung schädlich für den Menschen?
• Bei übermäßiger Antibiotika-Beigabe können die MRSA-Erreger Resistenzen gegen Antibiotika ausbilden. Diese resistenten Keime können an den Verbraucher übertragen werden.
• Um aber wirklich in einer lebensbedrohlichen Situation zu sein, reicht es nicht aus, den Erreger in sich zu tragen. Hier spielen Faktoren, wie Immunsystem und Erregerstärke eine wesentliche Rolle. Nicht jeder MRSA-Keim führt demnach zwangsläufig zu einer Entzündung oder Krankheit.
• Gleiche Gefahr besteht in anderen Lebensbereichen, wie z. B. im Krankenhaus in noch stärkerer Weise
Welche Maßnahmen und Lösungen stehen zur Verfügung?
• Zunächst gilt es, die Verbreitung von Krankheiten zu reduzieren. Dabei können Zuchtmaßnahmen und Haltungsbedingungen einen großen Beitrag leisten.
• Ist die Krankheit ausgebrochen, gilt es, Alternativen der Behandlung zu prüfen (Isolation, Homöopathie).
• Sollten nur Antibiotika helfen, ist darüber nachzudenken, ob das Medikament innerhalb eines bestimmten Wirkungsradius, dann auch präventiv vergeben wird, nach dem Prinzip „Impfen statt Keulen“
• Die Vorgabe von Höchst- oder Grenzwerten halte ich für nicht zielführend. Antibiotikum ist ein Therapeutikum und es gibt genau Vorschriften, wie diese Medizin zu dosieren ist. Ist ein Tier krank, muss es diese Dosis bekommen. Grenzwerte lassen auch Spielraum für eine Präventiv-Therapie.
• Die Sammlung von Daten ist sicherlich gut, um einen Überblick über die Menge und den Einsatzgrund zu erfahren, das erhöht auch die Transparenz. Bisher liegen jedoch einige Daten vor, die ausgewertet werden müssen. Jeder Erzeuger muss bei Absatz der Tiere einen Anwendungs- und Abgabebeleg sowie das Stallbuch mitliefern. Hier finden sich alle relevanten Daten.
• Das Maßnahmenpaket von Frau Ministerin Aigner zeigt die richtigen Ansätze auf. Die Tierärzte sollten dabei aber nicht unter Generalverdacht gestellt werden.
• Die Unterscheidung nach Antibiotika für die Tier- und Humanmedizin ist vom Grundsatz her eine gute Idee und sollte Forschungsauftrag sein. Bisher sind jedoch Flurochinolone und Cephalosporine die wirksamsten Antibiotika, sowohl im human- wie auch im tiermedizinischen Bereich. Würde man ältere Antibiotika an Tiere abgeben, würde sich die Menge erhöhen um die gleiche Wirkung zu erzielen.
Fazit
• Antibiotika ist einer der bedeutsamsten Entwicklungen der Medizingeschichte, die für die Menschheit von hoher Bedeutung ist.
• Alleine aus diesem Grund ist die Bildung von Resistenzen eine ernstzunehmende Problematik.
• Differenziert sollte man meines Erachtens die kürzlich veröffentlichen Studien betrachten. Die Ergebnisse des BUND´s fallen dabei für mich heraus, weil die Methodik kein repräsentatives Ergebnis liefern kann.
• Besorgniserregend ist die Studie aus NRW deshalb, weil sie ein System offenbart, welches seine Schwachstellen hat. Es kann nicht sein, dass 96% der Broiler präventiv, ich vermute über das Trinkwasser oder Futter behandelt werden, um möglicherweise einen wirtschaftlichen Schaden abzuwenden oder die Ansteckungsgefahr zu verringern.
• Die Bedrohung für den Verbraucher ist meiner Meinung nach jedoch einmal mehr Panikmache. Nicht jeder wird an einer Sepsis erkranken.
• Und trotzdem sollten wir die vernünftigen Lösungen aufgreifen und das System verbessern zum Schutz der Tiere und zum Schutz der Menschen.





